HAFENSTADT CHANIA

CHANIA ist eine Hafenstadt auf der griechischen Insel Kreta. Sie ist mit 55.838 Einwohnern (laut Volkszählung vom 18. März 2001) die zweitgrößte Stadt der Insel und Verwaltungssitz der Gemeinde Chania, die eine Fläche von etwas über 356 km² umfasst, auf der 98.202 Menschen leben. Gleichzeitig ist Chania der Hauptort des gleichnamigen Regionalbezirks, der ehemaligenPräfektur Chania, der den gesamten Westen Kretas umfasst. Chania war von 1841 bis 1971 die Hauptstadt der Insel Kreta.
Östlich des Stadtgebiets von Chania in der Souda-Bucht befindet sich der Fährhafen der Stadt, von dem eine tägliche Verbindung nachPiräus besteht. Der internationale Flughafen von Chania befindet sich ebenfalls außerhalb der eigentlichen Stadt ungefähr 12 Kilometer nordöstlich auf einer Ebene der Akrotiri-Halbinsel.

Die Stadt Chania liegt an der Nordküste der Insel Kreta, rund 100 Kilometer westlich der heutigen Inselhauptstadt Iraklio. Die Gemeinde Chania war bis 2010 flächenmäßig die kleinste der nach ihr benannten Präfektur, da sie sich fast ausschließlich auf das Stadtgebiet beschränkte. Chania war bis 1971 Verwaltungssitz der gesamten Insel. Heute ist die Stadt mit über einem Drittel der Einwohner des Regionalbezirks die beherrschende Metropole Westkretas.
Das Kretische Meer nördlich der Insel bildet zwischen den Halbinseln Rodopou und Akrotiri den Golf von Chania, an dessen Südostseite an der Landenge zu Akrotiri die Hafenstadt erbaut wurde. Östlich der Landenge liegt die Bucht von Souda, ein durch die Halbinsel Akrotirigeschützter Naturhafen. Südlich von Chania steigt das kretische Inland stetig an und bildet mit dem bei klaren Wetter gut zu sehenden Gebirgszug der Weißen Berge (Lefka Ori) eine nur von wenigen Passstraßen durchbrochene Barriere zur Südküste Kretas.

Die Insel Kreta liegt auf dem Südägäischen Inselbogen, einer Verlängerung des Dinarischen Gebirgsbogens über die Hellenische Bergketteauf dem griechischen Festland bis zum Taurusgebirge in Kleinasien. Entstanden sind diese Alpidischen Gebirgsbildungen ab der erdgeschichtlichen Periode des frühen Tertiär, die heute als Paläogen bezeichnet wird, als die Afrikanische Platte begann, sich durch die Kontinentaldrift unter die Eurasische Platte zu schieben. Auch heute noch driftet die Afrikanische Platte jährlich etwa vier Zentimeter nordwärts, was vereinzelt zu Erdbeben in der Region führen kann.
Das in der Subduktionszone der beiden Kontinentalplatten gelegene Kreta kippt bei den geotektonischen Aktivitäten um seine Nord-Süd-Achse, der Westen der Insel steigt an, während der Osten leicht absinkt. Da sich das Stadtgebiet von Chania auf einer Ebene des Nordwesten Kretas befindet, sind die dortigen Gesteinsschichten auch jüngeren erdgeschichtlichen Datums, als beispielsweise die der südlich angrenzenden Weißen Berge. Chania steht auf Fels- und Sedimentformationen aus dem Jungtertiär oder Neogen (zirka 30 Millionen Jahre alt), die aus einer Zeit stammen, als die nordwestliche Küstenebene noch Teil des Meeres war.

Bis zum Jahr 2010 bestand die Gemeinde Chania nur aus dem unmittelbaren Stadtgebiet und grenzte im Osten und Südosten an die Gemeinden Akrotiri und Souda. Westlich der Stadt lag die Gemeinde Nea Kydonia. Die südlich an die geschlossene Stadtbebauung angrenzenden Vororte in Richtung Schnellstraße (New Road) gehörten schon zur Gemeinde Eleftherios Venizelos.
Mit dem Kallikratis-Gesetz von 2010 wurden die Gemeinden Akrotiri, Eleftherios Venizelos, Keramia, Nea Kydonia, Souda und Theriso mit der Stadt Chania zur Gemeinde Chania zusammengefasst. Seitdem grenzt die Gemeinde im Osten an die Gemeinde Apokoronas, im Süden an Sfakia und im Westen an die Gemeinde Platanias. Die Bedeutung als Hafenstadt hat Chania durch die Eingemeindung von Souda wieder zurückgewonnen. Alle Fährlinien mit dem ausgeschriebenen Ziel „Chania“ laufen den tiefen Naturhafen der Souda-Bucht an, der Stadthafen von Chania hat für größere Schiffe eine zu geringe Wassertiefe.

Das Stadtgebiet von Chania ist in die Stadtviertel Chalepa, Evraiki, Kastelli, Kumkapi, Nea Chora, Splantzia und Topanas unterteilt.
Chania liegt an der westlichen Nordküste der Insel Kreta. Das Klima gilt hier als gemäßigt und trockenwarm. Von Mai bis September gibt es kaum Regenfälle, insgesamt scheint an 70 Prozent der Tage eines Jahres die Sonne. In den etwas kühlen Wintermonaten von November bis März sind in den Weißen Bergen südlich von Chania Schneefälle möglich, die nur sehr selten auch die Ebene an der Nordküste erreichen. Die Schneedecke in den Bergen bleibt bis etwa Ende Mai erhalten. Die heißen und trockenen Sommermonate führen dazu, dass die durch den feuchten Winter und das warme Frühjahr üppig wuchernde Vegetation ohne künstliche Bewässerung in den Ebenen der Insel verdorrt.

Alterum
Erste Siedlungsspuren aus dem Altstadtviertel Kastelli reichen bis in die Jungsteinzeit 3400 bis 3000 v. Chr. zurück. Damit ist Chania eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Siedlungsstätten Europas. Als Stadt wurde sie in minoischer „Vorpalast“-Zeit (3000-1900 v. Chr.) unter dem Namen Kudonija erbaut, aus dem sich der spätere antike Name Kydonia(gemäß der Peutingerschen Tafel: Cydonia) ableitete. Belegt ist der Name Kudonija erstmals in Linearschrift B auf einer Tontafel. Nach antiker Überlieferung wurde die Stadt durch den mythischen König Minos gegründet und nach dem Heros Kýdon, dem Sohn des Apollon und der Akakallis, Tochter des Minos, benannt. Auf dieser Insel herrscht ein gleichmäßiges Mittelmeerklima. Kreta ist mit seinen zirka 300 Tagen Sonnenschein pro Jahr zusammen mit Zypern die sonnigste Insel im Mittelmeerraum. Der Sommer ist heiß und trocken, wobei insbesondere an der Südküste sehr hohe Temperaturen gemessen werden. Der Winter ist regenreich und mild, die Hochlagen der Gebirgszüge sind schneereich. Kreta ist durch mehrere Klimazonen geprägt. Die Spanne reicht von trocken-heißen bis zu feucht-alpinen Zonen.
In den minoischen Epochen der „Neu-“ und „Nachpalastzeit“ (1600–1100 v. Chr.) war Kudonija eine blühende Stadt mit großen, in sich geschlossenen Wohnhäusern zwischen Straßen und Plätzen, und höchstwahrscheinlich einem Palast als Zentrum. Dass in Chania kein minoischer Palast gefunden wurde, ist möglicherweise dem Umstand zuzuschreiben, dass die Siedlung nie aufgegeben wurde und spätere Generationen ihre Gebäude vornehmlich mit Baumaterial errichteten, welches sie aus älteren Bauwerken der Stadt gewannen. Kudonija hatte eine bedeutende Keramikproduktion und Handelsverbindungen bis Ägypten, Zypern und Palästina. Selbst die Zeit der Zerstörung der meisten kretischen Paläste um die Jahre 1450 bis 1425 v. Chr. durch die Mykener überstand die Stadt neben Knossos eher schadlos.
Ausgrabungsstätten der minoischen Kultur befinden sich hauptsächlich auf dem Kastelli-Hügel, am Platia Agias Akaterinis. Die Nekropole wurde vor dem Süd- und Ostteil der damaligen Stadt im Gebiet Mazali und im Bereich des heutigen Stadions lokalisiert. Nach 1400 v. Chr. dominierte jedoch die mykenische Kultur der griechischen Achaier. Einen Austausch beider Kulturen, der minoischen und der mykenischen, hatte es schon vor der mykenischen Eroberung der Insel ab 1450 v. Chr. gegeben. Manche Historiker nehmen an, dass z. B. Knossosdeshalb nicht wie andere Paläste Kretas zerstört wurde, weil es dort schon eine große Anzahl achaiischer Kolonisten gab, die dafür sorgten, dass die Stadt rasch übergeben wurde. Ähnliches könnte auch auf die nordwestliche Handelsmetropole Kudonija zutreffen. Eine Hypothese geht sogar für Knossos um 1450 v. Chr. von der Machtübernahme einer mykenischen Dynastie aus, die im Anschluss versuchte, ganz Kreta zu unterwerfen, wobei die übrigen minoischen Paläste zerstört wurden. Diese Dynastie wiederum wurde um 1375 v. Chr. durch mykenische Eroberer vom Festland verdrängt.
Während die anderen minoischen Paläste nach deren Zerstörung nie wieder bezogen wurden, herrschten in Knossos und eventuell auch in der nun Kydonia genannten Hafenstadt auf dem Gebiet des heutigen Chania achaisch-mykenische Herrscher.[9] Eine multikulturelle Stadt blieb sie auch nach dem allmählichen Niedergang der mykenischen Kultur und dem Beginn der dorischen Einwanderung nach Kreta. In der von Homer überlieferten Odyssee, die in diesem Zeitraum angesiedelt ist, wird Kydonia zwei mal erwähnt.
In der geometrischen (etwa 1050–700 v. Chr.) und der sich anschließenden archaischen Epoche (etwa 700-500 v. Chr.) entwickelte sich Kydonia zu einer der wichtigsten PoleisWestkretas. Die bedeutendsten Städte Kretas wie auch ganz Griechenlands bildeten kleine selbstständige Stadtstaaten (Poleis), die sich oft befehdeten. Noch in archaischer Zeit, im Jahre 525 v. Chr., wurde Kydonia von Samos her neu kolonisiert. Später folgten Siedler von Aigina. Eine zweite Einwanderungswelle von diesen beiden Inseln kam ab 431 v. Chr. in die Polis. Enge Verbindungen gab es auch mit Kyrene. Die Neusiedler übernahmen den aus der mykenischen Zeit überlieferten Namen Kydonia, der übersetzt „Quitte“ bedeutet. Die klassischen Münzen Kydonias zeigten die aus Vorderasien nach Europa eingeführte Frucht als Wappen der Stadt.
Nach einem kurzzeitigen Bündnis Kydonias mit Makedonien, das 220 v. Chr. auf Kreta interveniert hatte, um die Verhältnisse zu stabilisieren, verlor Makedonien 196 v. Chr. nach dem zweiten Krieg gegen Rom die Hegemonie über Griechenland. Wieder unabhängig, kam es erneut zu Kriegen der rivalisierenden kretischen Städte untereinander. 189 v. Chr. kämpfte Kydonia gegen Knossos und Gortyn, 184 v. Chr. eroberte die Stadt wegen Auseinandersetzungen um die Kontrolle über das Diktynnäische Heiligtum auf der Halbinsel Rodopou die Polis Polyrrhenia mit der HafenstadtPhalasarna. Diese Konflikte endeten erst 67 v. Chr. mit der Besetzung der Insel durch die römischen Truppen.
Seit dem Jahr 69 v. Chr. begann das Römische Reich, Kreta zu besetzen. 67 v. Chr. wurde die Insel römische Provinz. Kydonia kam als eine der ersten Städte Kretas in den Machtbereich des Imperiums und erhielt wegen seiner römerfreundlichen Haltung den Status einer freien Stadt. Bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. ist das Recht auf eine eigene Münzprägung bezeugt, Münzen aus Kydonia stellten beispielsweise eine Nymphe mit Kranz und den Heros Kýdon, gesäugt durch eine Hündin, dar. Die Eroberung Kretas durch die Römer bedeutete das Ende der Bürgerkriege und den Beginn einer langen Friedenszeit mit wirtschaftlicher Blüte. Hauptstadt der Provinz Kreta und Kyrenaika (Creta et Cyrene) wurde das bei der Eroberung der Insel mit Rom verbündete Gortyn. In die Zeit der römischen Herrschaft fällt auch die allmähliche Christianisierung der Insel im 3. und 4. Jahrhundert. Kydonia wird in kirchlichen Quellen als Sitz eines Bischofs erwähnt, der Teilnehmer an der Synode von Serdica (Sofia) in den Jahren 343/344 n. Chr. war.
Mittelalter
Ein Jahr nach dem Tod des Kaisers Theodosius I. im Jahre 394 kam es zur römischen Reichsteilung von 395. Kydonia lag mit Kreta in dessen Ostteil, der sich ab 610 vom lateinisch geprägten Oströmischen Reich zum griechisch dominierten Byzantinischen Reich umbildete. Gleichzeitig zehrten die ständigen Abwehrkämpfe gegen Slawen und Bulgaren im Norden, Sassaniden (Perser) im Osten und Sarazenen (Araber) im Süden und Südosten an der Substanz des Ostreiches. Die meisten Städte der antiken Zivilisation wurden aufgegeben oder schrumpften auf die Größe von befestigten Dörfern, den sogenannten Kastra.
Von Kydonia ist aus der ersten byzantinischen Epoche wenig überliefert. Archäologische Grabungen belegen lediglich die Existenz einer großen altchristlichen Basilika auf dem Kastelli-Hügel. In den Jahren 824 bis 828 eroberten schließlich die Sarazenen die Insel, wobei Kydonia möglicherweise wie die meisten Städte Kretas zerstört wurde. Es wird angenommen, dass es sich bei den Eroberern um nach einem Aufstand im Emirat von Córdoba im heutigen Spanien nach Alexandria geflohene Araber handelte, die unter ihrem Anführer, dem Emir Abu Hafs Omar,[11] schon um 823 einen Beutezug ins südliche Kreta unternahmen. Mehrere Rückeroberungsversuche des geschwächten Byzantinischen Reiches in den Jahren 825, 826, 828 und 902 blieben erfolglos.

Aus der Zeit der Sarazenenherrschaft über Kreta wird der heutige Name der Stadt Chania abgeleitet. Dabei soll es sich im Ursprung nicht um eine arabische Bezeichnung gehandelt haben. Vielmehr wurde für die nach der Zerstörung Kydonias neu errichtete Siedlung der Name des ehemaligen Vorortes Alchanía (nach dem Gott Velchanos, oder altgriechisch Hephaistos), der auf einer Inschrift verzeichnet ist, übernommen. Im Arabischen wurde daraus Al Hanim, was übersetzt „Herberge“ bedeutet. Nach der byzantinischen Rückeroberung der Insel 960/961 unter dem General Nikephoros Phokas, dem späteren Kaiser Nikephoros II., ersetzte man die arabisch klingende Vorsilbe „Al“ durch den griechischen Artikel „Ta“ (Plural: die) zu Ta Chania, woraus später im Lateinischen La Canea wurde. In jedem Fall war der Ort bis ins erste Jahrhundert der späteren Herrschaft der Venezianer nur eine kleine, wenn auch befestigte, bäuerliche Siedlung.
Nach 961, dem Jahr der Wiedereingliederung Kretas in das Byzantinische Reich, wurde die vermutlich zerstörte hellenistische Stadtmauer Kydonias um den Kastelli-Hügel durch eine neue Befestigung ersetzt, um weitere arabische Angriffe abwehren zu können. Viele Soldaten des Nikophoros Phokas ließen sich auf Kreta nieder und auch aus anderen Teilen des Reiches kamen neue griechische Siedler, die den Bevölkerungsverlust durch Kriegsfolgen und Abwanderung während der Herrschaft der Araber ausglichen. Ab 1082 siedelte Kaiser Alexios I. Komnenosvermehrt adelige Familien auf der Insel an, denen großer Grundbesitz und bestimmte Privilegien übertragen wurden. Über den Ort Chania ist aus diesem Zeitabschnitt nichts weiter überliefert, sieht man einmal von der regelmäßigen Nennung in den Protokollen kirchlicher Synoden ab. Die zweite byzantinische Epoche Kretas endete nach der EinnahmeKonstantinopels am 13. April 1204 durch die Kreuzfahrer des venetianisch finanzierten Vierten Kreuzzuges unter der Führung des piemontesischen Markgrafen Bonifatius von Montferrat, der die Insel zur Begleichung der Kriegsschulden im Jahr 1210 für 10.000 Silbermark an die Venezianer verkaufte.

Die Republik Venedig musste zunächst gegen das ligurische Genua und die kretische Bevölkerung um die Vorherrschaft über die Insel kämpfen. Den mit Venedig rivalisierenden Genuesen war es ab 1207 unter Enrico il Pescatore gelungen, Teile Kretas zu besetzen. Nach der Vertreibung der Genuesen 1212 und der Einnahme der gesamten Insel bis 1218, bei ständigen Aufständen der einheimischen Bevölkerung und Rückeroberungsversuchen durch Byzanz, siedelten die neuen Herren der Insel zur Festigung ihrer Herrschaft Venezianer aus der Mutterstadt an. Nach verschiedenen Angaben handelte es sich um 3.000 bis 10.000 Menschen, darunter auch Angehörige vieler Adelsfamilien. Chania wurde als La Canea anfänglich Verwaltungssitz des Exarchats Dorsoduro, später des Distrikts Canea. Auch nach La Canea kamen viele Venezianer, die zunächst auf dem nun Castel Vecchio genannten Kastelli-Hügel innerhalb der byzantinischen Stadtmauern siedelten, später auch außerhalb der alten Befestigung im neu entstehenden Wohnviertel Vourgo. Es wurden mehrere neue Brunnen und ein Aquädukt angelegt und im Zentrum entstanden herrschaftliche Gebäude des venezianischen Adels. Aus dieser Zeit stammen die Hauptstraße La Corsa und die Kirchen Santa Mariaund Duomo.
Mit der Zunahme der Bevölkerung gilt das Jahr 1252 als Neugründung des Ortes als Stadt. Nachdem die Genuesen La Canea den Venezianern 1263 wieder entrissen hatten, befestigten die letzteren nach der Rückeroberung 22 Jahre später 1285 das um Castel Vecchio herum erweiterte Stadtgebiet mit einer neuen Mauer. Ab 1320 begann man dann durch Aufschüttung einer Mole mit dem Bau des Hafens. Durch ihn wurde La Canea zur wichtigsten ökonomischen und politischen Verbindung zwischen Kreta und Venedig, daher der damalige Beiname Chanias als „Venedig Kretas“. Gesellschaftlich führte jedoch die Einsetzung des venezianischen Feudalsystems und der Versuch, die Orthodoxieentschieden einzuschränken, zu zahlreichen Aufstandsbewegungen. In einem Zeitraum von zwei Jahrhunderten werden 27 größere oder kleinere, lokal begrenzte Erhebungen sozialen und nationalen Charakters erwähnt.
Im Verlauf der über 450 Jahre währenden Herrschaft Venedigs über die Insel Kreta schwankte die Bevölkerungszahl sehr stark. Während der Eroberungs- und Aufstandsphase von etwa 1211 bis 1300 hatte Kreta kaum mehr als 50.000 Einwohner. Zum Ausgleich des Arbeitskräftemangels in La Canea veranlasste Venedig im Jahr 1302, dass jeder, der seinen Feudalherren nicht kannte, automatisch Höriger der Kommune sein sollte. Die Einwohnerzahl stieg danach jedoch wieder an, dürfte während des Aufstands der venezianischen Siedler (1363 bis 1366) wieder stark gefallen sein, bis sie um 1400 einen Stand von etwa 100.000 Menschen erreichte, von denen jeder fünfte in den Städten wohnte. Ein Jahrhundert später, um 1500, lebten auf der Insel wohl an die 200.000 Einwohner. Der griechisch-orthodoxen Bevölkerungsmehrheit stand eine katholische Gesellschaft der venezianischen Oberschicht gegenüber, bestehend aus Feudalherren sowie ziviler und militärischer Verwaltung. Deren Bischof wurde in Venedig bestimmt, ebenso wie der militärische Befehlshaber, der Kastellan. Die vier obersten Räte von Kreta waren zunächst verpflichtet, in einem festen Turnus ihr zweites Amtsjahr als Rektoren von La Canea oder Retimo, dem heutigen Rethymno, zu verbringen, während jeweils zwei in Candia, heute Iraklio, amtierten. Erst ab 1306 amtierte ein jährlich neu gewählter Rektor in Canea. Auch die wichtigen Posten des Leiters des Arsenals, Admiral genannt, wurden an Venezianer vergeben, meist Adlige, doch gelegentlich auch Nichtadlige, was am zu niedrigen Gehalt lag, das man 1409 erhöhte. Einige Kastellane besaßen Weingüter nahe der Stadt und stritten um deren Besitz. Komplizierte oder bedeutende Rechtsfälle wurden in Venedig entschieden, weniger bedeutende vor Ort, wobei eine Kanzlei für den Schriftverkehr zur Verfügung stand, deren Vorstand aus Venedig geschickt wurde. Das gleiche galt für Gerichts- und Palastschreiber. Die Kastellane der benachbarten Inseln, wie Cerigo, mussten am Ende ihrer Amtszeit inLa Canea Bericht erstatten und sich einen Monat in der Stadt zur Verfügung halten.
Ähnlich wie in Venedig sorgte eine Polizeitruppe unter Führung der Domini de nocte beziehungsweise Domini de die („Herren der Nacht“ / „Herren des Tages“) für Sicherheit auf den Straßen. Dort stand auch ein Gefängnis zur Verfügung. Zur Versorgung der Bevölkerung und der Flotte wurden bereits 1331 drei Speicher für Getreide gebaut. Dennoch klagten die kleinen Feudalherren von Retimo und La Canea 1345 gemeinsam in Venedig darüber, dass die Preise für ihren Weizen zu niedrig seien, und dies ihre Existenz gefährde. Doch Venedigs Wirtschaftspolitik war so sehr auf die Mutterstadt fixiert, dass erst der Siedleraufstand - von dem sich Canea mindestens bis September 1363 fernhielt - sie zu verspäteten Erleichterungen veranlasste.
Schon bevor die Osmanen 1453 Konstantinopel eroberten, galt Kreta als stark gefährdet. So scheute man sich nicht, verurteilte Straftäter hierher ins Exil zu schicken, sofern es sich um Adlige handelte. In einem Fall wurde ein Mörder, der sich trotz Folter nicht überführen ließ, nach La Canea deportiert. 1456 ging der Rat der Zehn mit scharfen Mitteln gegen Giacomo Foscari vor, der mit dem Sultan verschlüsselte Briefe ausgetauscht haben soll, worin er Mehmet aufforderte, eine Flotte nach La Canea zu schicken. 1462 kam es abermals zu einer Verschwörung unter Führung eines Siphi Vlastos. Den zahlreichen Flüchtlingen, die sich zunehmend untereinander verbanden, misstraute Venedig allemal.
Die Kultur der italienischen Stadtrepublik konnte sich ohne die ständige Präsenz Venedigs auf Kreta und seiner gegenüber der griechischen Bevölkerungsmehrheit zahlenmäßig geringen venezianischen Siedler nicht dauerhaft halten, was auch dem Umstand geschuldet scheint, dass sich nach der osmanischen Eroberung Konstantinopels 1453 viele griechische Flüchtlinge aus der byzantinischen Kaiserstadt, darunter Aristokraten, Geistliche und Künstler, auf der Insel ansiedelten und der griechischen-byzantinischen Kunst und Kultur zu einer neuen Blüte verhalfen. So entstand beispielsweise aus der überlieferten byzantinischen Malerei unter Vermischung mit Elementen der italienischen Renaissance eine neue künstlerische Richtung, die sogenannte Kretische Schule. Zu ihren bedeutendsten Vertretern zählte der 1530 in La Canea geborene Michail Damaskinos.


Neuzeit
Anfang des 16. Jahrhunderts bedrohten erstmals die Expansionsbestrebungen des Osmanischen Reiches die Insel Kreta. Aus diesem Grunde wurde 1536 für La Canea der Bau einer neuen Befestigung mit fünf Bastionen, einem breiten Graben und der Festung (griechisch Firkas) am Hafen geplant und begonnen, die die Stadt rechteckig umschloss. Konstrukteur war der Veroneser Architekt Michele Sanmicheli. Die Arbeiten an dem etwa zwei Kilometer langen äußeren Festungsgürtel um die stark gewachsene Stadt, bei denen das bis dahin noch erhaltene antike Theater zerstört wurde, zogen sich bis 1590 hin. In diesen Jahren, die man als Blütezeit des venezianischen La Canea bezeichnen kann, entstanden außerdem die meisten heute noch erhaltenen Palazzi und auch der Hafen, einschließlich der großen Arsenale (Neoria), Werften zur Aufbewahrung und Instandsetzung der Schiffe, erhielt sein heutiges Gesicht.
In der Zwischenzeit hatten die Osmanen bereits ab 1538 unter Führung des Admirals Chaireddin Barbarossa Teile Mittel- und Westkretas zeitweilig erobert. Dieser erste Angriff kam vor den Mauern Candias zum Stillstand. Am 25. Juni 1645 landete zu Beginn des Krieges um Kreta dann ein 60.000 Mann starkes osmanisches Heer auf 400 Schiffen (nach anderen Angaben 123 Schiffe) westlich von La Canea in der Bucht von Gogna, nahe dem Kloster Moni Odigitrias Gonias bei Kolymbari, und nahm in der Nacht darauf und am Folgetag die der Stadt Canea vorgelagerte Festungsinsel San Todero (Agii Theodori) im Golf von Chania ein. Nach fast zweimonatiger Belagerung ab dem 26. Juni 1645 unter der Führung des Beylerbey von Rumili, Hassan Pascha (türkisch Küçük Hasan Pasa, ‚der kleine Hassan Pascha‘), kapitulierte La Canea am 17. August und fiel als eine der ersten Städte Kretas in die Hände der türkischen Eroberer. Gemäß den Kapitulationsbedingungen wurde den Venezianern am 22. August 1645 auf fünf Schiffen freier Abzug gewährt. Noch im Jahr der Einnahme der Stadt 1645 begannen die muslimischen Türken mit dem Bau einer Moschee am Hafen, der Hassan-Pascha-Moschee, heute als Janitscharen-Moschee eine Sehenswürdigkeit Chanias. Weitere Moscheen entstanden durch Umwidmung ehemaliger Kirchen gleich nach der Machtübernahme der Osmanen.

Die nun türkisch Hanya genannte Stadt wurde 1651, da die eigentliche Hauptstadt Kretas Candia der Belagerung durch die osmanischen Truppen 21 Jahre lang standhielt, Verwaltungssitz der gesamten Insel. Sitz des Paschas und damit neue Inselhauptstadt (wenn auch nominell erst ab 1841) blieb Hanya auch nach der Einnahme Candias im Jahre 1669. Die Festungsinseln Gramvousa und Souda fielen erst 1692 bzw. 1715 unter osmanische Kontrolle, die erstere bei dem Versuch der Venezianer, Hanya zurückzuerobern. Unter der Osmanenherrschaft änderte sich auch das Stadtbild. Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt und erhielten Minarette, öffentliche Bäder (Hamams), und Brunnen wurden gebaut, und die vor allem in den Vierteln Kastelli und Splantzia siedelnden türkischen Zuwanderer errichteten zahlreiche große Privathäuser mit Holzerkern. Viele Christen hingegen verließen Kreta, um den Unterdrückungsmaßnahmen der neuen Herrscher zu entgehen, und fanden Zuflucht auf den Ionischen Inseln. Unter der osmanischen Besatzung kam es mehrfach zu Aufständen der griechisch-orthodoxen Bevölkerung der Insel, die durch das Osmanische Reich niedergeschlagen wurden, der größte 1770 unter Daskalogiannis. Im Jahr 1821, dem Jahr des Beginns der Griechischen Revolution, wurden in Hanya viele Christen getötet und der Bischof von Kissamos, Melhisethek Thespotakis, in Splantzia gehängt. Der Aufstand Griechenlands schien schon gescheitert, als der Vizekönig von Ägypten, Muhammad Ali Pascha, den osmanischen Sultan Mahmud II. 1824 bis 1827 bei der Niederschlagung der Revolution unterstützte. Durch das Eingreifen der Großmächte Großbritannien, Frankreich und Russland, die die ägyptische Flotte in der Schlacht von Navarino vernichteten, wurde der osmanische Herrscher jedoch gezwungen, das Londoner Protokoll vom 3. Februar 1830 zu unterzeichnen, durch das der griechische Staat, wenn auch nur auf kleiner Fläche, neu entstand. Seitdem war es das Bestreben der griechischen Bevölkerung Kretas, eine Vereinigung mit dem Mutterland herbeizuführen. Bis 1840 unterstand die Insel allerdings dem ägyptischen Vizekönig, der sie dann einschließlich Syriens und Palästinas nach Intervention von Großbritannien, Russland, Preußen und Österreich an die Osmanen zurückgeben musste.


Griechische Zeit
Im Streit um die „nationale Frage“ entlassen, setzte sich Eleftherios Venizelos ab 1901 an die Spitze der Opposition, die immer offener eine Vereinigung Kretas mit dem griechischen Festland forderte. Durch einen Putsch wurde Prinz Georg 1905 gezwungen zurückzutreten, und 1908 wurde die Vereinigung der Insel mit Griechenland beschlossen, die aber erst durch den Londoner Vertrag von 1913 international anerkannt wurde. Eleftherios Venizelos wurde schon 1910 griechischer Premierminister und hisste gemeinsam mit König Konstantin 1913 die griechische Fahne über dem Fort Firkas am venezianischen Hafen von Chania. Heute ist die südlich an Chania angrenzende Gemeinde mit dem Hauptort Mournies nach ihm benannt, und östlich der geschlossenen Bebauung des Stadtgebiets, auf dem Profitis Ilias, befindet sich ein Denkmal für ihn und seinen Sohn Sofoklis Venizelos, dem griechischen Ministerpräsidenten von 1943 bis 1952. Beide sind dort auch bestattet. Chania blieb auch nach der Vereinigung mit Griechenland bis 1971 Sitz der Verwaltung Kretas. Schon in der Zeit der kretischen Unabhängigkeit ab 1898 florierte die Stadt. Nach dem Anschluss an Griechenland wurde in den Jahren 1911 bis 1913 die kreuzförmige klassizistische Markthalle (Agora) errichtet. Sie entstand nach französischem Vorbild der Markthalle in Marseille und wurde zu einem weiteren Wahrzeichen Chanias. Als Standort wurden Teile des Stadtgrabens und die alte Piatta-Forma-Bastion gewählt. Dem Bau der Halle fiel leider durch Abriss das venezianische Stadttor Porta-Retimiota zum Opfer. Die Stadtgestalt änderte sich auch dahingehend, dass die zu Moscheen umfunktionierten Kirchen wieder ihren ursprünglichen Zweck als christliche Gotteshäuser erhielten. 1920 wurde sogar, vor dem Hintergrund des Griechisch-Türkischen-Krieges 1919 bis 1922, das Minarett der Hassan-Pascha-Moschee im Hafen abgerissen. Durch den nach 1923 erfolgten Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei auf Grund des Vertrages von Lausanne, bei dem die verbliebenen Türken Kreta verließen, wurde das Gebäude als Moschee nicht mehr benötigt. Heute dient es Ausstellungszwecken. Nach dem verlorenen Krieg gegen die Türkei wurde Griechenland durch eine Volksabstimmung im April 1924 Republik. Eleftherios Venizelos war in der Folgezeit mehrfach Ministerpräsident, unter ihm wurde im Oktober 1930 der türkisch-griechische Freundschaftsvertrag abgeschlossen. In die Opposition gedrängt, musste er 1935 nach einem erfolglosen Aufstand auf Kreta gegen die Royalisten Griechenland verlassen. Das Land kehrte nach einer erneuten Volksabstimmung am 12. Oktober 1935 zur Monarchie zurück. Das Anfang des Zweiten Weltkriegs formal neutrale Griechenland erwies sich durch die Annahme der britischen Garantie 1939, der Nichterneuerung des Paktes mit Italien von 1929 und der kriegswirtschaftlichen Unterstützung Großbritanniens faktisch als Verbündeter der Westmächte. Der Griechenland diktatorisch regierende General Metaxas lehnte am 28. Oktober 1940 ein nicht annehmbares italienisches Ultimatum zur Kapitulation ab und konnte die angreifenden italienischen Truppen bis hinter die albanische Grenze zurückdrängen. Die griechische Regierung bat nun Großbritannien um Unterstützung, dessen erste Vorauskommandos schon am 1. November 1940 vom ägyptischen Alexandria aus auf Kreta landeten. Am 6. April 1941 griff das Deutsche Reich als Verbündeter Italiens in die Kampfhandlungen ein. Im Verlauf des Unternehmens Marita wurden die griechischen Verbände und das britische Expeditionskorps geschlagen und ganz Griechenland mit Ausnahme Kretas besetzt. Nach der Kapitulation am 21. April 1941 verließen die griechische Regierung unter dem neuen Ministerpräsidenten Emmanouil Tsouderos und König Georg II. am 23. April das Festland und versuchten, mit britischer Unterstützung von Kreta aus den Widerstand gegen die Achsenmächte fortzusetzen. Chania wurde dabei bis Mai 1941 Regierungssitz des unabhängigen Griechenland.

Deutsche Besatzungszeit
Am Dienstag dem 20. Mai gegen 07:15 Uhr begann die Luftlandeschlacht um Kreta, das unter der deutschen Bezeichnung Unternehmen Merkur bis dahin größte Luftlandeunternehmen der Geschichte. Die Kämpfe konzentrierten sich hauptsächlich auf das Gebiet um die damalige Hauptstadt Kretas. Bei ersten Angriffen deutscher Bomber wurde die Altstadt von Chania stark beschädigt. Schon am 22. Mai eroberten die deutschen Truppen das Flugfeld von Maleme 15 Kilometer westlich von Chania und konnten es am Folgetag zu einer brauchbaren Operationsbasis ausbauen. Trotz starker Verluste der Invasoren hatten die personell überlegenen alliierten Verbände der Griechen, Briten, Australier und Neuseeländer der Luftüberlegenheit der deutschen Wehrmacht nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Mit Ausweitung des Landekopfes bei Maleme fiel am 26. Mai die endgültige militärische Entscheidung zugunsten der deutschen Angreifer, und in der Nacht zum 27. Mai traf das britische Oberkommando den Entschluss, Kreta zu räumen. Noch am 27. Mai fiel die Hauptstadt Chania und am 28. Mai der Hafen in der Souda-Bucht in deutsche Hand. Am 29. Mai 1941 kapitulierte Rethymno. Die alliierten Truppen zogen sich durch die Berge zur Südküste zurück, vor allem in den Raum Sfakia, von wo es gelang, fast 17.000 Mann britischer und Empiretruppen nach Ägypten auszuschiffen. Am 1. Juni 1941 hatten die letzten alliierten Verbände und mit ihnen die griechische Regierung, die von Chania aus durch die Samaria-Schlucht geflohen war, Kreta verlassen. Viele Griechen und Briten, die kein Evakuierungsschiff mehr erreicht hatten, verblieben hingegen auf der Insel und hielten sich oft mit Unterstützung der einheimischen Bevölkerung versteckt. Etwa 15.000 alliierte Soldaten gerieten bei der Luftlandeschlacht um Kreta in deutsche Kriegsgefangenschaft.[38] Die Kriegsgefangenenlager befanden sich westlich von Chania in der Gegend um Galatas und bei Agii Apostoli. Nach der vollständigen Einnahme der Insel wurde Kreta in zwei Besatzungszonen aufgeteilt. Während im äußersten Osten, etwa der Präfektur Lasithi entsprechend, italienische Truppen bis 1943 die Herrschaft ausübten, kam der größte Teil Kretas mit den zentralen Bereichen und dem Westen unter deutsche Militärverwaltung. Sie nahm ihren Sitz in der Villa Andromeda in Chania, einer 1870 erbauten neoklassizistischen Villa im Stadtteil Chalepa, etwa einen Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, die zwischen 1897 und 1912 schon als deutsches Konsulat gedient hatte. Viele Einheimische ergaben sich jedoch nicht der Besatzungsmacht, sondern führten den Krieg aus dem Untergrund heraus, unterstützt durch den britischen Geheimdienst, als sogenannte Andarten (Partisanen) weiter. Im Herbst 1942 gründete sich aus ihnen die nationalliberal orientierte Widerstandsorganisation Ethnikis Organosis Kritis. Im Laufe der Besatzungszeit nahmen die Auseinandersetzungen an Härte zu, weshalb von deutscher Seite zeitweise bis zu 50.000 Wehrmachtsangehörige auf der Insel stationiert wurden. Auf beiden Seiten blutig geführten Partisanenkämpfen folgten grausame Vergeltungsaktionen der deutschen Truppen an der Zivilbevölkerung, Kriegsverbrechen, bei denen unter anderem 40 Dörfer der Insel zerstört und deren Einwohner zu großen Teilen umgebracht wurden. Auch nicht den Andarten zugerechnete Einwohner Kretas wurden Opfer deutscher Verbrechen während der Besatzungszeit. Am 29. Mai 1944 umstellten Einheiten unter dem Befehl des deutschen Kommandanten der „Festung Kreta“, General Bruno Bräuer, das jüdische Viertel Evraiki der Stadt Chania. Flüchtende Einwohner wurden erschossen. Fast 300 Juden wurden zunächst in das Gefängnis „Agia“ gebracht und sollten Anfang Juni mit dem Transportschiff Tanais in deutsche Konzentrationslager deportiert werden. Die Tanais wurde auf der Überfahrt von einem britischen U-Boot torpediert und sank. Fast alle jüdischen Gefangenen, wie auch etwa 600 griechische und italienische Gefangene, kamen dabei um. Nur vier der jüdischen Einwohner Chanias sollen überlebt haben. Chania blieb bis zum 23. Mai 1945 von deutschen Truppen besetzt. Im Herbst 1944 zogen sie sich mit etwa 12.000 Soldaten auf die „Kernfestung Westkreta“, das Gebiet um Chania, zurück und unternahmen von dort aus bis zum Juni 1945 noch einzelne Einsätze gegen kretische Partisanen. Nach der Kapitulation der deutschen Armee sollte die „Kernfestung“ von britischen Truppen übernommen werden. Diese befanden sich bald nach ihrer Ankunft auf der Insel im Kampf gegen die kommunistisch geführte Griechische Volksbefreiungsarmee, dem militärischen Flügel der Nationalen Befreiungsfront. Sie beließen den Deutschen die Waffen, damit diese nicht den Kretern in die Hände fallen sollten, und ließen sich sogar von deutschen Panzerwagen Geleitschutz geben. Die Kreter betrachteten diese Wendung ihrer vorherigen Verbündeten als Verrat. So ging der Kampf gegen die deutschen Truppen auf Kreta nahtlos in den Bürgerkrieg über, der zwischen der griechischen Regierung, den Briten und national gesinnten Kräften auf der einen und Linksliberalen, Sozialisten und Kommunisten der ELAS auf der anderen Seite geführt wurde. Der Bürgerkrieg suchte allerdings Kreta in weit geringerem Maße heim als das griechische Festland. Traditionell war ein Großteil der Kreter antimonarchistisch eingestellt, sodass die von den Briten mit militärischem Nachdruck unterstützte Rückkehr von König Georg II. auch außerhalb der EAM keine breite Unterstützung fand. Die Auseinandersetzungen betrafen unter anderem Verrats- und Kollaborationsvorwürfe. Die von der nationalen Führung der EAM angeordnete Revolte konnte auf Kreta nicht durchgeführt werden. Im April 1947 versuchten die Kommunisten erneut einen Aufstand. Die von Giannis Podias organisierte Demokratische Armee Kretas wurde aber innerhalb weniger Monate entwaffnet, ihr Anführer Podias wurde am 2. Juli 1947 erschossen.

Nachkriegszeit Der Wiederaufbau nach Zweitem Weltkrieg und Bürgerkrieg führte zu einer regen Bautätigkeit in Chania. Dies betraf vor allem die Altstadt, die durch die deutschen Bombenangriffe 1941 zu etwa einem Drittel zerstört war. Im Jahr 1965 wurde die gesamte Altstadt innerhalb der alten Festungsmauern unter Denkmalschutz gestellt. Die ausufernde Zersiedelung des Umlandes der Stadt konnte dadurch jedoch nicht verhindert werden. Auf der benachbarten Halbinsel Akrotiri wurden eine Raketenabschussbasis der NATO eingerichtet und weite militärische Sperrgebiete ausgewiesen, die bis heute den Unwillen der Bevölkerung hervorrufen. Der Untergang der Fähre Iraklion auf der Fahrt von Piräus nach Chania am 8. Dezember 1966 mit 241 Todesopfern veranlasste den populären Erzbischof von Kastelli-Kissamos, Irineos, die Initiative zur Gründung einer „kretischen“ Schifffahrtslinie zu ergreifen. Durch Ausgabe von Volksaktien wurden die ANEK Lines mit Sitz in Chania gegründet. Der große Erfolg dieses Unternehmens, das zunächst den Fährbetrieb von Chania und Iraklio aufnahm und seit 1989 auch internationale Linien zwischen Italien und Griechenland bedient sowie zahlreiche Beteiligungen und Tochtergesellschaften erworben hat, stärkte nicht nur das Selbstbewusstsein der Kreter (nicht zufällig wurden 1972 in Iraklio nach ähnlichem Konzept die Minoan Lines gegründet), sondern sichert auch schnelle Transportwege für den Vertrieb der in Westkreta erzeugten Nahrungsmittel. Im Jahre 1971 verlor Chania den Status der „Hauptstadt Kretas“, den es seit 1898 innehatte, an das weit größere Iraklio. Als Zeugnis der Hauptstadt-Epoche sind etliche neoklassizistische Botschafts- und Diplomatenvillen im Stadtteil Chalepa erhalten. Anlässlich des 50. Jahrestages der Schlacht um Kreta traf 1991 der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl den griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos Mitsotakis in dessen Heimatstadt Chania. Aus diesem Anlass wurden Forderungen nach ausstehenden deutschen Reparationsleistungen laut, die jedoch von der griechischen Regierung nicht unterstützt wurden.

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Quellen: Wikepedia, Diverse Fremdenverkehrsführer
 
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