MECHANIKERAUSBILDUNG AN DER RAKETENSCHULE DER LUFTWAFFE!



Der typische Werdegang eines Mechaniker-Feldwebels sah so aus, dass nach der Auswahl für das Waffensystem HAWK und der Mindestdienstzeit von 8 Jahren außer der Grundausbildung und den diversen Lehrgängen in der Stammeinheit sowie dem Stammbattalion ein militärischer Unteroffizierslehrgang stattfand (in den 80er Jahren u. a. in Freising). Danach musste der fachbezogene dreimonatige Unteroffizierslehrgang erstmalig in Fort Bliss bei der GAFADS durchgeführt werden. Dort waren die angehenden Unteroffiziere noch sehr behütet und in der typischen Kasernierungsart unter Aufsicht um sich voll und ganz auf den sogenannten Affenlehrgang zu konzentrieren. Nach erfolgreicher Absolvierung kamen die UAs zurück in die Stammeinheit und wurden in der Regel nach 12-15 Monaten zu Unteroffizieren befördert. Nach 1-2 Jahren in der Unteroffizierstätigkeit erfolgte meistens der fachbezogene Feldwebellehrgang in den USA, gefolgt vom militärischen Teil vorrangig in Iserlohn.

Gut war es für den angehenden Feldwebel, wenn bereits ein Kamerad aus der Einheit in USA war und z.B. eine Wohnung anmieten konnte. In der Regel hatte man nach Ankunft in Fort Bliss eine Zeitspanne frei, manchmal sogar bis zu einer Woche um in aller Ruhe die diversen Dinge zu erledigen die notwendig waren um sich häuslich einzurichten. Besonders hier waren die Hilfestellungen der Übersetzerfeldwebel der Schule überaus hilfreich um alle Hindernisse zu beseitigen. Auch wurde meistens der Fuhrpark der vorherigen Lehrgangsteilnehmer weiterveräußert. Nicht immer mit Erfolg für die Neuen, so mancher alte Hobel wechselte da seinen Besitzer. Ein Fahrzeug war in Fort Bliss wichtig, da sich aus dem ehemaligen Cavalary-Fort ein Riesenkomplex mit zahlreichen Einheiten und Dienststellen entwickelt hatte. Für die HAWK-Soldaten war Fort Bliss das größte Luftverteidigungszentrum der Freien Welt. Hier wurden durch nationale wie auch amerikanische Ausbilder zahlreiche Nationen ausgebildet.

Nach Einweisung in der Ausbildungs-Inspektion erfolgte für die Mechanikerfeldwebel der erste Ausbildungsabschnitt mit Basic Electronics. Der Unterricht wurde meistens durch Zivilangestellte der US-Army (beispielhaft: Mr. Keith und Mr. Ostaika), in Englisch gehalten. Anfänglich waren auch noch die deutschen Übersetzer dabei, jedoch kam man immer besser in die Sprache und war zu mindestens zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf eine Übersetzung angewiesen. Was erlebte man nicht alles bei den stetig stattfindenden Tests. Der Einfallsreichtum der LTs bei den Tests war schon bemerkenswert, eine Hawkie ließ sich immer etwas einfallen. Die Ergebnisse waren dementsprechend immer gut. Nach ca. 2-3 Monaten war dann Basic bestanden und wurde durch eine abschließende Prüfung beendet. Wer kennt nicht den NIDA-Trainer und die Geschichte mit dem zu findenden Radiosender. Meistens bekam man dann irgendeinen rumdudelden mexikanischen Sender rein, den wenigsten gelang es einen Sender aus El Paso einzustellen.

Für die 227 Mechaniker (AbschußEloFeldwebel) begann der 2. Teil der Ausbildung mit dem Loader, dem Kettenfahrzeug für den Transport der MSL und Beladung der LCHR. Auch hier erfolgte eine Abschlussprüfung mit teilweise verwirrenden Fehlereinbauten, die irgendeine defekte Baugruppe simulieren sollte.

Teil 3 der Ausbildung umfasste das Startgerät, den Launcher. Hier lernten die LTs die vielen Möglichkeiten an Fehlern kennen. Ob hydraulisch, elektronisch oder materialabhängig überall durften die deutschen Soldaten ihr Können beweisen. In dieser Phase der Ausbildung waren amerikanische Unteroffiziere als Lehrer eingesetzt zusätzlich zu den deutschen Übersetzern beispielhaft: SSGT Mullins und SFC Morrison mit seinem Kugelporsche). Zugleich war man im Ausbildungsgebäude mit amerikanischen Schülern und diversen anderen Nationen im Ausbildungsbetrieb. Wer denkt nicht gerne an die Fehlersuche der kuwaitischen Kameraden zurück der wir beiwohnen durften. Ich sage nur unglaublich wie schmal 2 dicke Prüfkabel aus der Di-Box herausragten um sich ans Messgerät anschließen zu lassen.

Der 4. Ausbildungsabschnitt umfasste dann vorrangig den HIPIR (das Beleuchtungsradargerät) sowie die FCO Konsolen im BCC. Hier wurde intensiv Fehlersuche durchgeführt um die LTs so schnell es ging in die Grundlagen des Gerätes einzuführen. Auch hier erfolgten zahlreiche Tests um den Wissenstand der Soldaten abzufragen. Da gerade bei der praktischen Ausbildung oft die Geräte ausfielen, sei es durch das Klima, kaputte Geräte oder sich überlappende Dienstpläne der einzelnen Nationen bot sich viel zusätzliche Freizeit an. Dieser willkommene Anlass wurde dankbar angenommen um sich der Freizeitgestaltung hinzugeben.

Das Freizeitangebot für die deutschen LTs war riesenhaft und bot endlose Möglichkeiten an. Shoppen in der PX oder in Juarez, die Zeit im „SUMPF“ (Vergnügungsviertel von Juarez) unter dem Schutz von MAMA CITA zu verbringen oder im Cielo Vista Mall in El Paso, auf der Indian Cliff Ranch bei Cowboyexamen und Steaks oder Old Tucson in Arizona die Freizeit genießen.

Besonders beliebt waren auch die diversen Ölspuren den berüchtigten Trips von ein paar Meilen in wenigen tagen. Wer denkt dabei nicht gerne an den Grand Canyon, Las Vegas, Los Angeles mit Disneyland und Knottsberryfarm sowie den Filmstudios und ihren Attraktionen zurück. Aber auch San Diego und San Francisco boten vielfältige Unterhaltungsmöglichkeiten. Auch in der Gegenrichtung beim Besuch des Alamo, New York mit seinen Attraktionen und selbstverständlich Florida mit seinen zahlreichen Erlebniswelten kamen die Soldaten auf ihre Kosten. Dies stellt natürlich nur ein kleiner Teil an zahlreichen Möglichkeiten dar die sich den deutschen Soldaten in den USA anbot.

So ging die Dienstzeit meistens sehr schnell dahin und schon bald musste man sich auf die Heimreise vorbereiten. Am Tag des Abschlusses „dem GRADUATION DAY“ durften dann die Stabsunteroffiziere und angehenden Mechanikerfeldwebel ihre Diplome empfangen. Stolzgeschwellt präsentierte man sich gemeinsam zum Photoshooting um dann den Hausstand aufzulösen. Finanziell war der Aufenthalt der Soldaten, teilweise mit ihren Ehefrauen, von Vorteil da zum einen doppelte Bezüge, ein Kaufkraftausgleich sowie finanzielle Zuwendungen für die Wohnung in Deutschland und den USA gezahlt wurde. Man konnte also aus dem Vollen schöpfen.

Der Tag des Heimfluges war dann zum einen mit vielen Tränen verbunden, da man seinen Bekanntenkreis verlassen musste, aber auch der Vorfreude auf Deutschland. Nach der Landung in Köln-Wahn musste man mit dem Kulturschock zurecht kommen, die Hektik und das Chaos der deutschen Mentalität mit Vergleich mit der entspannten Art die man aus Fort Bliss gewohnt war. So eine lange Zeit in den USA veränderte jeden der Soldaten spürbar. Doch bald war man wieder im Alltagsgrau des Schichtdienstes und gewöhnte sich wieder an den tristen Alltag.


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Quellen: Die Luftwaffe, Broschüre: " Ausbildung deutscher Soldaten in Fort Bliss/Texas 1956-1976",“ 20 Jahre Raketenschule der Luftwaffe USA 1966-1986“, Truppenpraxis Heft 7 15.05.1962, Desert Army - Fort Bliss on the Texas Border von Leon C. Metz, Bundesarchiv, Persönliche Erlebnisse von LTs
 
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