DAS FLUGABWEHRRAKETENSYSTEM HAWK (HOMING ALL THE WAY KILLER)!

MIM-23 HAWK war ein mobiles, allwetterfähiges Flugabwehrraketensystem aus US-amerikanischer Produktion. Hersteller war die Firma Raytheon.

Durch die Entwicklung von Düsenflugzeugen erfolgte eine Änderung der Bedrohungslage für die Luftverteidigungseinrichtungen der USA. Im Zuge dessen wurde 1953 an die Firma Raytheon ein Auftrag für ein Flugabwehrraktensystem zur Abwehr von schnellfliegenden Luftfahrzeugen im niedrigen bis hohen Luftraum vergeben. Raytheon nannte das neue Waffensystem HAWK.

1955 erfolgte der erste Flug einer HAWK-Rakete, am 22.06.1956 der erste Schuss mit dem Waffensystem und schon 1958 konnte mit der Serienfertigung begonnen werden. Erste Einsätze erfolgten in Korea und Vietnam.

In den 1960er-Jahren setzte sich die Luftverteidigung der Bundeswehr vorrangig noch aus der überforderten FlaRohrartillerie zusammen. Im Zuge der Neuausrichtung der Bedrohungslage wurde entschieden die Luftverteidigung mit amerikanischen Raketensystemen auszustatten. Für den Bereich der hochfliegenden Ziele wurde das US-Systemen NIKE AJAX, später NIKE HERCULES, ausgewählt, für den niedrigen bis mittleren Höhenbereich kam das HAWK-System zum Einsatz.

In Europa wurde im Rahmen des Kalten Krieges eine Optimierung der Luftverteidigung vorgenommen. Es entstand der so genannte Luftverteidigungsgürtel mit den System NIKE und HAWK in einer Tiefen- und Höhenstaffelung. Der HAWK-Gürtel, von Dänemark bis in den Süden Deutschlands, setzte sich aus amerikanischen, belgischen, niederländischen und deutschen HAWK-Einheiten zusammen. Die HAWK-Verbände der Bundesluftwaffe bestanden aus 9 Flugabwehrraketenbattaillonen mit je 4 Einsatzbatterien. Später wurden daraus Geschwader und Staffeln und gegen Ende der HAWK-Ära erfolgte die Umbenennung in Gruppen. Die 3./FlaRakG 34 bestand bis 2002, 2005 wurden dann die letzten HAWK-Einheiten in Leipheim aufgelöst.

Die Ausrichtungen der Einsatzstellungen im HAWK-Gürtel waren so ausgelegt, dass sich der Wirkungsbereich jeder einzelnen Stellung mit den anderen Einheiten überlappte. Das hatte den Vorteil, dass auch bei Ausfall einer Stellung trotzdem der HAWK-Gürtel intakt blieb, da durch die Überlappung der Einsatzstellungen auch größere Lücken geschlossen werden konnten. Zusätzlich hatten die HAWK-Verbände vorbereitete Verlegestellungen für den Ernstfall zu beziehen.

Die Grundversion des Waffensystems war BASIC HAWK. Die Rakete konnte dabei auf eine Reichweite von 25 km bei einer maximalen Höhe von 13.700 m verweisen. Der 5,08 m lange Lenkflugkörper hatte einen Durchmesser von 0,37 m bei einer Spannweite von 1,19 m mit einem Gewicht von 584 kg und einer Höchstgeschwindigkeit von 650 m/sec. Der Gefechtskopf hatte ein Gewicht von 54 kg und verteilte bei Detonation 1700 Splitter.

Die nächste Leistungssteigerung erfolgte mit IMPROVED HAWK zwischen 1975 bis 1978. Hierbei wurde die Reichweite des LFK auf 40 km angehoben. Auch die Geschwindigkeit steigerte sich deutlich auf 900 m/sec mit einer größtmöglichen Höhe von 17.700 m. Das Gewicht der Rakete erhöhte sich auf 635 kg und enthielt nun einen 75 kg schweren Gefechtskopf der sich in 16.000 Splitter zerlegen konnte. Mit IHAWK erfolgte aber nicht nur eine Steigerung des LFK, sondern es wurde auch die Radarleistung gesteigert um so die Zielerkennung und –bekämpfung sowie durch die Einführung eines digitalen Waffensystemrechners die wesentlichen Bedienungsabläufe zu optimieren.

Als letzte Kampfwertsteigerung erfolgte dann PIP I und PIP II (Product Improvement Program) Mitte bis Ende der 1980er-Jahre. Hierbei wurde auf Digital- und Halbleitertechnik umgestellt um somit noch mal eine erhebliche Einsatzeffizienz zu erzielen.

Die Besonderheit der HAWK-Verbände lag darin, dass sie bereits im Frieden der NATO unterstellt waren um die Luftverteidigung Zentraleuropas rund um die Uhr sicherzustellen. Etliche Gefechtsstände und Radarführungsstellungen stellten die Führung der einzelnen Raketenverbände im Frieden wie auch im Ernstfall sicher.

Trotz stetiger Modernisierung konnte die veraltete Technik im Verbund mit dem modernen PATRIOT Waffensystem nicht mehr mithalten und so wurden die HAWK-Einheiten schrittweise reduziert oder aufgelöst, auch für die 3./FlaRakG 34 fiel 2002 endgültig die Klappe. 2005 wurde dann die Flugabwehrgruppe 15 in Leipheim mit den beiden letzten HAWK-Einheiten der Luftwaffe außer Dienst gestellt.

Eine PCP-Halbstaffel war bis 2008 in Pirmasens stationiert um dort als Teil der Luftkampfführungsanlage Polygone ihren Dienst zu versehen. Hierbei gab es mehrere Stellungen mit verschiedensten Flugabwehrraketensystemen der ehemaligen westlichen und östlichen Machtblöcke, die es Piloten der NATO und befreundeter Streitkräfte ermöglichte unter realitätsnahen Bedingungen ein Training durchzuführen.

Die HAWK-Verbände der Luftwaffe waren voll verlegefähig und für den Allwetterbetrieb optimiert. Das Waffensystem wurde im Schichtdienst rund um die Uhr betrieben. Die Schichtdauer lag bei 48 bis 72 Stunden und erfolgte anfangs durch drei, später durch vier Kampfbesatzungszüge. Der Dienstbetrieb eines Kampfbesatzungszuges (KB) dauerte in der Regel eine Woche mit unterschiedlichen Bereitschaftsstufen. Bei der 3./FlaRakG 34 war die Friedenseinsatzstellung Freinhausen (siehe hierzu im Videoarchiv der letzte 20 Minuten Crew Drill).

Folgende Bereitschaftsstufen gab es für Kampfbesatzungen:

12 Stunden released: Die Geräte des Waffensystems wurden Fristenwartungen und Überprüfungen unterzogen. Die Feuereinheit konnte innerhalb einer Frist von 12 Stunden den nächsthöheren Status einnehmen.

12 Stunden: Das System war technisch und personell einsatzbereit, wurde jedoch für die Ausbildung der diensthabenden Kampfbesatzungen genutzt; die Einnahme des nächsthöheren Bereitschaftsstatus war innerhalb von 12 Stunden möglich.

3 bzw. 6 Stunden: Die Geräte wurden kontinuierlich am Stromnetz gehalten, System- und Geräteüberprüfungen gemäß Vorschriften wurden in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Einheitsinterne Alarmübungen und Überprüfungen durch Bewerter-Teams des Verbandes wurden unangekündigt durchgeführt. Das System war technisch und personell ohne Verzug zur Übernahme des höchsten Status bereit.

20 Minuten: Zusätzlich zu den für den 3 (bzw. 6) Stunden-Status aufgeführten Bedingungen galten die folgenden Vorgaben: Die Feuerleitzentrale war rund um die Uhr durch mindestens einen Bediener besetzt, der kontinuierliche Verbindung zum übergeordneten Gefechtsstand des Verbandes (Bataillon Operation Centre; BOC) hielt und dessen Aufgaben die Überwachung der Systemanzeigen, die verzugslose Aufnahme von Alarmsprüchen sowie die Alarmierung des Bedienerpersonals war. Alle Sender der Radargeräte waren aktiviert oder in Sendebereitschaft, die Waffensystem-Software des Waffenrechners war geladen und betriebsbereit, die taktische Datenverbindung (Datalink) war mit dem System der übergeordneten Gefechtsstands synchronisiert. Bei Eingang eines Alarmspruches (Battle Stations/Blazing Skies) alarmierte der Bediener die Kampfbesatzung durch Auslösen einer Sirene. Der nachfolgende so genannte Crew-Drill der Kampfbesatzung, der durch den Feuerleitoffizier (Battery Control Officer; BCO) gesteuert und überwacht wurde, stellte durch festgelegte Verfahrensabläufe sicher, dass die Feuereinheit technisch und personell in der Lage war, unter Beachtung aller relevanten Vorschriften innerhalb von 20 Minuten den Feuerkampf aufzunehmen.

5 Minuten: In den 1960ern wurde statt des Status 20 Minuten der Hot-Battery zuerst ein 5-Minuten-Bereitschaftsstatus gefahren, wobei es für Teile des Bedienerpersonals erforderlich war, am oder in der unmittelbaren Nähe ihres Gerätes zu bleiben, bzw. auch nachts zu ruhen.

Battle Stations (oder Blazing Skies): Feuerkampfstellung. Bei Blazing Skies wurden aus Sicherheitsgründen alle Maßnahmen bis auf den tatsächlichen Anschluss der Flugkörper an die Startgeräte (über je ein Anschlusskabel, so genanntes Umbilical) durchgeführt.

Die jeweils vier Feuereinheiten eines HAWK-Geschwaders waren in unterschiedlichen Stufen der Bereitschaft, damit während des Routinebetriebs durch den Verband alle vier Bereitschaftsstufen abgedeckt werden konnten. Dies stellte sicher, dass durch jeden Verband der Luftverteidigungsauftrag im zugewiesenen Sektor des Flugabwehrraketengürtels durchgeführt werden konnte. Weiterhin gewährleistete dies bei Ausfällen, dass eine der drei weiteren Feuereinheiten den Einsatzauftrag des Verbandes übernehmen konnte. Gleichzeitig stellte dies die schnelle Reaktionsfähigkeit der Verbände bei Erhöhungen der Alarmstufen sicher.

In Freinhausen war das Waffensystem durch Betonunterstände bzw. Splitterschutzwände gegen Luftangriffe geschützt und hätte die Bekämpfung feindlicher Luftfahrzeuge in den ersten Stunden eines Überraschungsangriffs ermöglicht. Im Krisen- und Kriegsfall sollten die Einheiten allerdings ihre festen Stellungen verlassen und vorerkundete Verlegestellungen beziehen. Dies wurde während des Kalten Krieges intensiv in Manövern, Verbands- und Einheitsübungen trainiert und von nationalen und NATO-Prüfteams bewertet.

Auch während Verlegungen, Übungen und Manövern waren die Einheiten weiterhin der NATO unterstellt und konnten somit sofort ihre Aufgabe, die Bekämpfung feindlicher Luftfahrzeuge zu jeder Zeit und bei jeder Wetterlage, wahrnehmen. Dies war möglich, da zu den Verlegeübungen stets die Einsatzlenkflugkörper (LFK) mitgeführt sowie die taktischen Fernsprech- und Datenverbindungen aufgebaut und betrieben wurden.

Für jeden HAWK-Verband existierte ein übergeordnetes BOC (Battalion Operation Center). Diese Einheit koordinierte den Einsatz der einzelnen Staffeln der FlaRakGeschwaders 34. Die Luftwaffe entschied sich damals die BOCs stets in einer der vier Friedensstellungen des Geschwaders zu integrieren. Weiterhin wurden gegen Ende der HAWK-Ära die Staffeln der 34er von einer Kampfführungsanlage GEHOC (German HAWK Operation Center) geführt und geleitet.

Waffensystembeschreibung

HAWK war ein Flugabwehrsystem mittlerer Reichweite für den Einsatz gegen Flugziele im tiefen und mittleren Höhenbereich. Das System konnte als Gesamtstaffel oder Halbstaffel eingesetzt werden. Beim Einsatz als Gesamtstaffel wurde aus dem BCC (Battery Control Centeral) der Feuerkampf geleitet. Hierbei wurden PAR (Pulse Acquisition Radar), CWAR (Continous Wave Acquisition Radar), ROR (Range Only Radar), zwei HPIR (High Powered Iluminator Radar) vom BCC gelenkt. Zusätzlich wurden zwei Abschuss Sections mit je drei Launchern (Startgeräte) und 18 Lenkflugkörper sowie 34 Lenkflugkörper auf Paletten zum sofortigen Nachladen in der Gesamtkonfiguration eingesetzt.

Als Halbstaffel konnte eine Hawkeinheit in zwei Varianten eingesetzt werden:

Variante 1: BCC, ICC mit IFF (Indentification Friend Foe) ein HPIR, PAR, ROR, drei Launchern mit je drei Raketen und entsprechenden Stromerzeugern (SEA).

Variante2: PCP (PLatoon Command Post) mit ADP und IFF, ein HPIR, drei Launchern mit je drei Raketen und den Stromerzeugungsaggregaten (SEA). Bei Ausfall des ICC (Information Coordination Central) diente das PCP als Ersatz und konnte mit dem BCC verkabelt werden. Gegen Ende der Ära des Flugabwehrraketensystems HAWK wurde vorrangig das System mit dem PCP als Halbstaffel gefahren.

Welche Geräte befanden sich in Freinhausen?

* BCC - Battery Contral Central (Feuerleitzentrale)
* ICC - Information Coordination Central (Lage- und Auswertezentrale)
* PCP - Platoon Command Post (Feuerleitstand)
* PAR - Pulse Acquisition Radar (Impuls-Erfassungsradar)
* CWAR - Continous Wave Acquisition Radar (Dauerstrich-Erfassungsradar)
* ROR - Range Only Rader (Entfernungsmeßradragerät)
* HPIR - (2-.fach) High-Power Iluminator Radar (CW Beleuchtungsradar)
* LCHR - (6-fach) Launcher (Startgeräte)
* LDR - (3-fach) Loader (Beladekettenfahrzeug)
* PAL - (12-fach) Paletten mit LFKs beladen (davon mindestens 10 mit LFKs)
* MSL-Pits - (2-fach) Standort für Container (ca. 4 Container mit LFKs pro Pit)


Wie wurde ein gegnerisches Luftfahrzeug erfasst?

Die Zielerfassung sowie die Zielbekämpfung wurde aus dem BCC durch BCO und Crew geleitet.

Die Zielerfassung erfolgte durch PAR und CWAR.

Zur Bekämpfung wurde das Flugziel mit dem HPIR erfasst.

Die reflektierte Radarenergie diente der Lenkeinheit des LFK zur Zielsuchlenkung, wobei durch im Heck befindliche Antenne zusätzliche Signale erfasst wurden. Diese Methode nannte sich halbaktives Zielsuch-Lenkverfahren.

Die Zündung des Gefechtskopfes erfolgte durch einen Vergleich der Signalstärke der vom HPIR ausgesandten Energie. Bei Annäherung der Rakete auf den gleichen Höhenkurs zum Ziel schwächte sich das seitliche Antennensignal ab (reflektierte Radarenergie des Zieles) wodurch sich die Zündung aktivierte.

Um aber die exakte Entfernung des Targets (Flugziel) bei Jamming (Störmaßnahmen) weiter zu erfassen setzte man das ROR ein, da sich dieses über einen großen Frequenzbereich einsetzen ließ und kaum störbar war.


Weiterhin kam noch das ICC und PCP hinzu die beide mit der elektronischen NATO Freund/Feinderkennung (Indentification Friend/Foe, Selctive Indentification Feature IFF/SIF) und der Zentralrechnereinheit (Automatic Data Processor, ADP) eingerichtet waren. Interessanterweise hatte der Arbeitsspeicher des Zentralrechners eine Speicherkapazität von 64 KB basierend auf einer Ringkerntechnologie bei der die gespeicherten Daten auch bei Ausfall oder Abschaltung erhalten blieben.

Zeitgleich warteten im Abschussbereich die drei LOADER auf ihren Einsatz, entweder um zu Be- und Entladen (LCHR, Paletten) oder um neue Raketen aus den Containern zu holen und beim Zusammenbau zu helfen. In Freinhausen standen für den sofortigen Einsatz insgesamt 52 einsatzfähige Raketen bereit um den Feuerkampf so lange wie möglich durchzuführen.

Leergeschossene LCHR und beladene Paletten standen für den Einsatz bereit.

Bei den LCUs (Launcher Control Unit stand MAIN POWER ON und LOCAL/REMOTE to REMOTE an jedem Startgerät für den Einsatz bereit ....

Die beiden LSCBs (Launching Section Control Box) "LSCBO Safe/Operate switches to Operate! Roger check!" ....

SATA-GERÄT! "LSCBO BLAZING SKIES TO CREW! SATA-CHECK to LAUNCHERS!" ....

Im MSL - Pit stand ein Container mit einer Rakete bereit für den Zusammenbau ....







 
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